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Jahresbericht 2000 von Queeramnesty (Nov. 1999 bis Okt. 2000)
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- 1. MANDAT UND GRUPPEN
(Das Mandat von amnesty international,
Gruppen in der Schweiz)
2. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH
(Argentinien,
Saudiarabien,
El Salvador,
Venezuela,
Brasilien,
Österreich,
Kazakhstan,
Republik Moldau)
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3. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
(CSDs,
Action news,
Pink Cross, LOS,
Nachtessen im anderland,
Artikel,
Lesung)
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4. AI-INTERN
(Zusammenarbeit mit den anderen Berufs- und Zielgruppen
IS in London,
Internationale Zusammenarbeit,
Unsere Gruppe,
Teilnahme an der Delegiertenversammlung von AI-Schweiz in Bern im Frühling 2000,
WWW,
Mitgliederversammlung 1999)
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5. WAS BRINGT 2001?
(Unsere Mitglieder,
Neue Regionalgruppen,
Folterkampagne,
Internationale Zusammenarbeit)
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Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 1999 und 2000
1. MANDAT UND GRUPPEN
Das Mandat von amnesty international
Das Mandat ist Grundlage der Arbeit von ai, einer Verfassung gleich. Seit Anfang der neunziger Jahre gewinnen Menschenrechtsverletzungen, die auf der Idendität der Opfer beruhen, zunehmend Raum in der Menschenrechtsarbeit. Dies gilt auch für Schwule und Lesben. Am Internationalen Kongress von AI 1991 in Japan wurden die Statuten von AI dahingehend geändert, dass neu Schwule und Lesben, die wegen ihrer Homosexualität inhaftiert sind, als Gewissensgefangene anerkannt werden. Die Entscheidung war zentral für die Entwicklung der schwulen und lesbischen Anliegen innerhalb von AI. In den folgenden Jahren gewannen diese eine immer grössere Aufmerksamkeit. Deshalb beschloss ai auf internationaler Ebene letztes Jahr, der Arbeit für Menschenrechtsverletzungen an sexuellen Minderheiten mehr Geldmittel zu widmen.
Gruppen in der Schweiz
Die seit 1997 existierende Hauptgruppe befindet sich nach wie vor in Bern. Zusätzlich gibt es seit 1999 eine Gruppe in Genf. In Basel und Zürich haben wir viele Mitglieder, jedoch bisher keine aktiven Gruppen.
2. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH
Argentinien
Eine Aktion bezog sich auf einen Transvestiten, der in Argentinien ermordet wurde. Wie so oft, war die Polizei bei der Aufklärung des Falles nicht eben hilfreich gewesen. Dies überrascht nicht, da der Mord in Haft geschah. Seither ist übrigens in derselben Stadt ein zweiter Transvestit ermordet worden. Transvestiten leben in Córdoba offensichtlich gefährlich.
Saudiarabien
Die Petition bezüglich Saudiarabien ist Produkt der Saudiarabien-Kampagne von Amnesty International. Wir kritisierten primär das undurchsichtige und willkürliche Justizsystem sowie die brutalen Strafen wie öffentliches Auspeitschen, Amputationen und Enthauptungen, mit denen das Land auch gegen internationale Konventionen verstösst, die es selber unterzeichnet hat. Unsere Aktion bezog sich auf neun Personen, die wegen ihres sexuellen Verhaltens zu Auspeitschungen verurteilt wurden. Neueren Berichten zufolge sind sechs Männer aufgrund ihrer sexuellen Orientierung hingerichtet worden. Für ai besteht die Hauptschwierigkeit darin, überhaupt etwas aus Saudiarabien zu erfahren. Die dortigen Machthaber sind Meister, wenn es um Diskretion geht.
In einem dringlichen Brief wandte sich unsere Gruppe an die Behörden Saudiarabiens, um ein Moratorium der Todesstrafe generell zu verlangen.
El Salvador
Wie so oft waren auch in diesem Fall Menschenrechtsverteidiger besonders betroffen. William Hernández steht der Gruppe „Entre Amigos“ vor, die sich für die Rechte von sexuellen Minderheiten in El Salvador einsetzt. Verschiedentlich wurde William von anonymen Personen bedroht, weshalb er um Polizeischutz bat. Diese wurde ihm während langer Zeit verweigert. Doch die Briefe von ai und anderen Organisationen haben die Behörden umgestimmt: Seit kurzem wird William Hernández nun hochoffiziell beschützt.
Venezuela
Auch hier geht es um Misshandlung von Transvestiten, und zwar im Staat Carabobo in Venezuela. Die Polizei belästigt die Personen mit einiger Konsequenz und misshandelt sie oft auf den Polizeiposten. Konkret fordern wir von den Behörden die Aufklärung eines Mordfalls, der sich am 29. Juli ereignet hat. Wie so oft versucht die Polizei eher zu vertuschen als aufzuklären.
Brasilien
Das grösste Land Lateinamerikas befand sich auch dieses Jahr auf unserer Agenda. Und zwar primär weil das ai-Büro in Sao Paulo schon zwei mal von Neonazis mit Paketbomben beliefert wurde. Die Angreifer wenden sich damit gegen die Arbeit von Eduardo Bernardes da Silva, der sich besonders für Schwule, Lesben, Transvestiten einsetzt. In Bekennerschreiben verurteilten die Kriminellen sexuelle Minderheiten sowie Juden und Nordestinos, die zahlreichen Zuwanderer aus dem armen Nordosten Brasiliens. Wir fordern besseren Schutz und eine effiziente Strafverfolgung gegen die Promotoren der Hasskampagne.
Österreich
Nach wie vor ist das Schutzalter für Homo- und Heterosexuelle Leute in unserem Nachbarland unterschiedlich geregelt. Genau dagegen wendete sich unsere Aktion. Herr Haider höchstpersönlich hat uns darauf eine Antwort geschrieben, die ziemlich offen tönte, in der Substanz aber wenig sagte...
Kazakhstan
Sehr interessant war unser Kontakt mit einem Aktivisten in Kazakhstan, weil wir hier selber eine Aktion aufbauen wollten. Leider hatte unsere Kontaktperson nicht eine ganz reine Weste, weshalb wir von einer weiteren Zusammenarbeit absahen. Allerdings sind die Kontakte wertvoll, die Laurent Seematter mit OSZE-Mitarbeitern vor Ort knüpfen konnten. Die Kontakte liefen vor allem über e-mail.
Republik Moldau (Moldavien)
Die Polizei löste vor kurzem die Jahresversammlung der einzigen lokalen Schwulen- und Lesbengruppe gewalttätig auf. Wir protestierten per e-mail.
3. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
CSDs
Als Fixpunkt in unserem Vereinsleben hat sich die Teilnahme an den CSDs etabliert. Die sommerlichen Umzüge sind ideal, um interessiertes Publikum zu erreichen. Gerade der Kontakt mit anderen Organisationen im lesbischwulen Kuchen ist für uns sehr wichtig. In Zürich hatten wir dank der guten Zusammenarbeit mit den Zürcher Gruppen die Gelegenheit, in idealem Umfeld Unterschriften zu sammeln. Und an der Pride 2000 in Bern machten wir uns mit der Genfer Gruppe auf den Weg, unterschriften zu sammeln.
Action news
Wir konnten die Zusammenarbeit mit der deutschen Gruppe weiterführen. Alle Mitglieder erhalten die Aktionszeitschrift aus Deutschland. Die meisten unserer Petitionen werden dort ausführlicher besprochen.
Pink Cross, LOS
Wir verschickten dieses Jahr keine flyers mit dem Pink Cross-Versand, um nicht zu aufdringlich zu werden. Wir helfen aber regelmässig beim Verpacken des Pink Cross-Versandes. Nächstes Jahr werdet Ihr über diesen Kanal wieder etwas von uns vernehmen. Mit der LOS haben wir bisher wenig zusammengearbeitet, wir hoffen aber, dass sich das ändert!
Nachtessen im anderland
Mitte Mai organisierten wir im anderland, Bern, ein Nachtessen mit Videoabend. Unsere Gruppe kochte und zeigt im Anschluss ans Essen im Hinterland ein Video über die Menschenrechtssituation von Lesben und Schwulen in Texas, Nicaragua, Rumänien, und Indien.
Artikel
Laurent Seematter konnte in der Genfer Zeitschrift 360° Artikel über Menschenrechtsarbeit für Lesben und Schwule veröffentlichen. Im Rahmen von ai bieten uns Amnestie und ai-intern Plattformen, die wir viel zu wenig nutzen.
Lesung
Im Rahmen der gay-games im Juli 2000 kam auch die Herausgeberin der deutschen Fassung von „Breaking the silence“ / Das Schweigen brechen, Eva Gundermann, nach Zürich. Sie las im Profitreff aus ihrem Buch, anschliessend ergab sich die Gelegenheit für interessante Diskussionen.
4. AI-INTERN
Zusammenarbeit mit den anderen Berufs- und Zielgruppen
Andere Gruppen wie die Frauen- und Unigruppen sind wie wir überregional organisiert. Die Zusammenarbeit mit diesen Gruppen ist sehr hilfreich, weil wir gegenseitig voneinander profitieren können. Vor allem für die laufenden Kampagnen ist diese Koordination wichtig. Christian Jensen vertritt uns jeweils an den monatlichen Sitzungen.
IS in London
Alle wichtigen Aktionen werden vom Internationalen Sekretariat recherchiert, wir sind deshalb auf dessen Arbeit dringend angewiesen. Unsere Anliegen werden dort inzwischen von einem leicht erweiterten Team wahrgenommen. Mehr wäre natürlich besser... Breaking the Silence war seinerzeit eine Publikation des IS und war uns beim Aufbau unserer Gruppe sehr hilfreich. Inzwischen liegt eine aktualisierte, deutsche Version vor. Die Publikation kann bei uns für Fr. 10.- bezogen werden.
Internationale Zusammenarbeit
Etwa 30 Länder weisen inzwischen GLBT-Zielgruppen wie die unsere auf. Üblicherweise beschränkt sich der Konakt zwischen ihnen auf Infotausch via Email. Seit dem Treffen im Frühling 1999 in Londen haben wir uns nicht mehr persönlich getroffen. Eine Frage der Finanzierung...das Treffen machte nämlich deutlich, dass das Netzwerk langsam über die europäisch-nordamerikanischen Kernlande hinauswächst und internationaler wird.
Unsere Gruppe
Die Mitgliederzahl ist seit letztem Jahr ziemlich stabil geblieben. Sie ist von 141 auf 146 gestiegen, dazu kommen noch etwa 40 Interessierte und SpenderInnen. Wie bisher konzentrieren sich die Mitglieder auf die drei Städte Zürich, Basel, Bern.
Die Gruppe in Genf hat fast nur Mitglieder aus der Rhonestadt, ein paar einzelne aus Lausanne. Erfreulicherweise machen dort viele Frauen mit.
Seit Anfang Jahr sind wir offiziell anerkannte ai-Gruppe. Damit haben wir dieselben Rechte wie die ca. 90 anderen ai-Gruppen in der Schweiz.
Teilnahme an der Delegiertenversammlung von AI-Schweiz, Bern, Frühling 2000
Unsere Teilnahme diente vor allem der Bekanntmachung der Gruppe bei den zahlreichen Delegierten. Dank gutem Wetter war der Umzug durch die Stadt ein Vergnügen.
WWW
Unersetzliches Informationskanal, gerade für eine internationale Organisation wie ai. Unser
e-Postfach aigl_ch äätt hotmail.com wartet übrigens sehnlichst auf Deine Anregungen!
Im November wird die neue Seite www.amnesty.ch aufgeschaltet. Der ganze Internetauftritt der Schweizer Sektion wurde komplett überarbeitet. Unter den Berufs- und Zielgruppen findet Ihr dann auch unsere Seite. Im Lauf des nächsten Jahres sollte es möglich sein, die aktuellen Petitionen direkt von dort herunterzuladen. Wer im Netz nach menschenrechtsrelevanten Seiten sucht, schaue sich auch die folgenden Seiten an: www.amnesty.org, www.iglhrc.org, www.ilga.org, www.pinkcross.ch, www.los.ch.
Mitgliederversammlung 1999
Sie fand in Zürich statt, und zwar in angenehmer Umgebung im Weinkeller von Hannes. Christian war für das leibliche Wohl der Gästeschar besorgt. Neben den kulinarischen Seiten stand die Information der angereisten Miglieder im Zentrum.
5. WAS BRINGT DAS NÄCHSTE JAHR?
Unsere Mitglieder
Wir haben bisher etwa 7 aktive Mitglieder, etwa 140 weitere Unterstützungsmitglieder und um die 40 SpenderInnen und InteressentInnen. Diese breite Unterstützung ermöglicht es uns, eine Menge von Aktivitäten zu entfalten. Allen sei dafür herzlich gedankt!
Die Basis für eine erfolgreiche Arbeit ist mit sieben Aktiven relativ schmal. Deshalb ist es unumgänglich, mehr Leute in aktive Gruppen zu integrieren. In Bern würden wir gern ein paar zusätzliche Leute willkommen heissen, in Zürich oder Basel können wir je nach Bedarf Regionalgruppen eröffnen. Bald schon wird amnesty 40. Wäre das nicht eine gute Gelegenheit, sich zu engagieren?
Neue Regionalgruppen
Da über die Hälfte unserer Mitglieder aus Zürich kommt, möchten wir weiterhin versuchen, dort etwas auf die Beine zu stellen. Zwei drei Personen haben Interesse bekundet. Wenn auch Du Dich an unserem Vereinsleben beteiligen möchtest, melde Dich doch bei Pierre (tel ...) oder Hans (tel ...) oder per E-Mail.
Folterkampagne
Diese Kampagne hat am 18. Oktober begonnen und dauert etwa ein Jahr. Im Juni/Juli 2001, rechtzeitig für die dann anstehenden Prides und CSDs, wird in diesem Rahmen ein Bericht über Folter an sexuellen Minderheiten publiziert. Die Schweizer Sektion wird die Kampagne mit einem in der Schweiz herumkurvenden Bus unterstützen. Vielleicht können wir den Bus an einen unserer Anlässe lotsen.
Internationale Zusammenarbeit
Die ai-interne mailing-list versorgt uns sowohl mit Infos aus dem Internationalen Sekretariat in Londan als auch mit Neuigkeiten aus den etwa 30 glbt-Gruppen in allen Kontinenten. Für das action&news arbeiten wir mit weiterhin mit der deutschen Gruppe zusammen. Die Genfer Gruppe pflegt natürlich vor allem Beziehungen mit den Leuten in Paris. Mitte Dezember findet dort ein Treffen der frankophonen glbt-Gruppen statt. Optimisten gehen davon aus, dass im 2001 das nächste weltweite glbt-Treffen stattfindet. Das dürfte wieder etwas englisch-lastiger ausfallen...
Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2000
(November 1999 bis Oktober 2000)
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