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Jahresbericht 2001 von Queeramnesty (Nov. 2000 bis Okt. 2001)
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- 1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH
(Die Kampagnen von Amnesty International,
CAT, Kampagne gegen Folter,
Jugoslawien,
Ägypten,
Namibia,
Ecuador,
Rumänien,
Chicago,
Mexiko,
Argentinien,
Auskünfte)
2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
(CSDs,
AI-Podium zum Thema Folter,
LOS, Pink Cross,
Jahresversammlung medigay,
Artikel,
Queersicht)
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3. AI-INTERN
(Zusammenarbeit mit den anderen Berufs- und Zielgruppen,
Internationales Sekretariat in London,
Aus der Nachbarschaft,
ai-lgbt.org,
Unsere Gruppen,
Delegiertenversammlung von AI-Schweiz in Yverdon-les-Bains im Frühling 2001,
Mitglieder-Znacht im Dezember 2000,
1. Mai 2001)
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4. WAS BRINGT DAS NÄCHSTE JAHR?
(Unsere Mitglieder,
Unsere Kontakte,
Unsere Regionalgruppen,
Unsere Sektion,
Unsere Schlüssel-Daten)
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Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2000/2001
1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH
Die Kampagnen von Amnesty International
Traditionell hat Amnesty Kampagnen zu Ländern und Themen organisiert. Diese konnten sehr unterschiedlich lange dauern. Am International Council Meeting in Dakar wurde dieses Jahr beschlossen, das Konzept zu überarbeiten. Neu sollen jedes Jahr 4 bis 7 thematischen Kampagnen stattfinden. Länderspezifische Aktionsprogramme lassen sich darin gut integrieren.
Generell kann man sagen, dass die Kampagnen für unsere Gruppe von grosser Bedeutung sind. Kampagnen wie diejenige zu den USA (vor 2 Jahren) oder diejenige gegen Folter (2001) bieten inhaltlich die Möglichkeit, sich für bedrohte sexuelle Minderheiten einzusetzen. Sie haben es uns erlaubt, unsere Anliegen in die Arbeit der Sektion einzubringen.
CAT, Kampagne gegen Folter
Die Schweizer Sektion von AI hat die originelle Idee gehabt, den Sommer über einen Info-Bus durch die Schweiz zu schicken. Der hat vor allem in Schulen und auf öffentlichen Plätzen die Leute für das Thema Folter sensibilisieren können. Der Start der Reise erfolgte im Hirschengraben, wir waren dabei. Im Rahmen der Kampagne veröffentlichte AI Ende Juni einen Bericht über Folter an sexuellen Minderheiten. Das Werk liegt auf englisch und französisch vor, eine deutsche Übersetzung gibt es vorläufig nicht. Wir haben Faltblätter produziert, die den AI-Mitgliedern Sinn und Zweck der lgbt-Anliegen in der Kampagne näherbringen.
Jugoslawien
Aktion im Rahmen der Kampagne gegen Folter. Amnesty International war besorgt darüber, dass die serbische Polizei die TeilnehmerInnen an der Belgrader Gay Pride nicht vor Angriffen von rechtsextremen Organisationen und homophoben Gruppen schützte. Die Gay Pride fand am 30. Juni 2001 in Belgrad statt und war überschattet von einer gewalttätigen Gegendemonstration. Die Polizei schaute untätig zu, wie TeilnehmerInnen der Gay Pride attackiert wurden. Unsere Aktion richtete sich entsprechend an den Polizeichef von Belgrad.
Ägypten
Die Verhaftung von 52 jungen Männern auf einem Partyboot hat schon allein wegen der Dimension des Vorfalls hohe Wellen geworfen. Die Justizbehörden haben in Kairo am Morgen des 11. Mai 2001 55 junge Männer verhaftet, 3 Ausländer wurden freigelassen. Die Verhaftung der Mehrheit dieser jungen Männer ist wohl nur aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erfolgt, was sie in den Augen von AI zu Gewissensgefangenen macht. Die Männer wurden zudem während der Festnahme Opfer von Folter, verschiedene ägyptische Medien führten eine orchestrierte Hetzkampage gegen die Männer.
Viele Beobachter gehen davon aus, dass das Regime mit diesem Schauprozess von ökonomischen Problemen ablenken will. An religiösen und moralischen Themen ist die ägyptische Öffentlichkeit immer wieder interessiert. Zudem bietet der Fall dem Staat die Möglichkeit, sich der islamistischen Opposition als Wächter islamischer Werte zu präsentieren und damit seine Legitimität zu stärken.
Wir haben eine Petition lanciert, am 16. August (Prozessbeginn in Kairo) im Berner Stadtzentrum Unterschriften gesammelt und organisieren die Übergabe derselbigen an die ägyptische Botschaft in Bern. Die Gruppe in Genf hat am 15. August vor der ägyptischen Gesandtschaft eine Demo organisiert, an der immerhin gegen 100 Personen teilnahmen (Mittwoch Morgen um 08.00!).
Namibia
Die Aktion fand im Rahmen der Kampagne gegen Folter statt. Alle Lokalgruppen erhielten die Petition, sie lag auch im Aktionsmobil auf. AI stiess sich vor allem an den verbalen Angriffen des Präsidenten von Namibia, Sam Nujoma. Der hat Lesben und Schwule öffentlich als „unnatürlich“ und „gegen den Willen Gottes“ bezeichnet. Am 19. März 2001 sagte er an einer Universität: „Die Republik Namibia erlaubt Homosexualität nicht. Die Polizei hat Befehl, Euch zu verhaften, zu deportieren und euch ins Gefängnis zu werfen.“
Ecuador
Die Aktion fand ebenfalls im Rahmen der Kampagne gegen Folter statt. Es ging um Bedrohungen und Misshandlungen gegen schwul-lesbische Organisationen. Wie bei anderen Fällen handelte es sich primär um nicht-staatliche Akteure. Der Staat unterliess es seinerseits, effektive Untersuchungen einzuleiten. Die impunidad (Straflosigkeit) ist der beste Nährboden für Straftaten, auch gerade gegen sexuelle Minderheiten. In Guayaquil wurden zudem mehrere Transvestiten durch die Polizei selbst misshandelt. In Ecuador ist Homosexualität zwar nicht mehr strafbar, die sozialen Umstände machen Lesben, Schwulen und vor allem Transvestiten das Leben trotzdem schwer.
Rumänien
Diesen Frühling wurde im Parlament die Abschaffung des Artikels 200 beraten. Da für NGOs exakte zeitliche Limiten für Eingaben bestehen, verlegte sich das Internationale Sekretariat auf ein e-mail network für rapid response. Die beteiligten lgbt-Gruppen konnten dann über einige Wochen hinweg an bestimmte Parlamentarier Petitionen einreichen. Trotz grossem Widerstand und allerhand Manövern von konservativer Seite wurde der Paragraph schliesslich wenigstens in seiner vorherigen Form gestrichen.
Chicago
Hier ging es um Polizeigewalt gegen Schwule. Ein Schwarzer behauptet, er sei auf der Polizeiwache mit einem Polizeiknüppel vergewaltigt worden, während er mit rassistischen und antischwulen Bezeichnungen wie „Negerschwuchtel“ beschimpft wurde. Am 25. November 2000 wurde ein anderer Mann, Jeffrey Lyons, von einer acht- bis zehnköpfigen Gruppe dienstfreier Polizisten angegriffen, nachdem sie gesehen hatten, wie er vor einer Polizeibar einen männlichen Freund küsste. Die Untersuchungen in diesem Zusammenhang wurden polizeiintern massgeblich behindert.
Mexiko
Zu Mexiko gab es dieses Jahr gleich zwei Aktionen: Im Dezember 2000 wurde Luciano Rodriguez Linares Opfer von Misshandlungen durch die Gefängnisverwaltung. Sie schlugen ihn und führten ihm einen Finger in den Anus, bis er blutete. Schon zu diesem Zeitpunkt bedrohten sie ihn mit dem Tod, wenn er ein Strafverfahren einleiten sollte. Es ist möglich, dass Luciano wegen seiner sexuellen Orientierung gequält wird.
Im Herbst folgte sodann eine urgent action: Dieses Netzwerk dient dazu, bei dringenden Fällen in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Menschen zu erreichen. César Salazar Góngora, ein Bewohner Yucatans, wollte im August 2001 einen bewaffneten, sexuellen Übergriff anzeigen. Dies trug ihm telefonische Todesdrohungen ein. Zudem weigerte sich die Staatsanwaltschaft anfänglich, die Klage überhaupt entgegenzunehmen.
Argentinien
Diese Aktion stand im Zeichen des soeben veröffentlichten AI-Berichts über Folter an sexuellen Minderheiten. Der Bericht wurde international denn auch in Buenos Aires lanciert, inkl. Besuch beim Präsidenten. Vanesa Piedrabuena, Präsidentin der Asociación Travestis Unidas de Córdoba erhielt am 17. Februar Besuch von Polizisten, diese bedrohten sie mit dem Tod. Es handelt sich eindeutig um eine Repressalie, weil Vanesa öffentlich die Aufklärung des Mordes an einer Kollegin verlangt.
Auskünfte
Regelmässig erreichen uns Anfragen zum Asylrecht, diese leiten wir jeweils an den Asyl-Koordination der Schweizer Sektion weiter. Hilfesuchenden antworten wir im Rahmen unserer Möglichkeiten und geben ihnen nützliche Kontakte weiter.
2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
CSDs
Rechtzeitig zum CSD in Zürich erschien der AI-Bericht über Folter an sexuellen Minderheiten. In einigen Zeitungen, so im Berner „Bund“ und in Le Temps erschienen gute Artikel zum Thema. Erstmals marschierten wir mit einem eigenen Transpi mit („Liebe ist ein Menschenrecht“). Der Stand in der Kaserne war etwas abgelegen, aber wir konnten trotzdem viele Interessierte erreichen.
In Sion hatten wir Gelegenheit, mit der Gruppe HDH (Homosexualités et Droits Humains) Genf einen Stand zu betreiben. Trotz Regenwetter sammelten wir viele Unterschriften und erreichten viele Leute aus der Romandie und der Deutschschweiz.
AI-Podium zum Thema Folter
Unsere Gruppe, d.h. Christian Jensen, organisierte mit anderen Berner Gruppen am 25. April ein Podium zu unserem Kampagnen-Thema. Gesprächsleiter Lars Knuchel sprach mit Betroffenen und AktivistInnen. Der Anlass in der Unitobler war gut besucht und eindrücklich.
LOS, Pink Cross
Im Rahmen der Kampagne gegen Folter verschickten wir unsere Gruppen-Flyer und die gelben Kampagnen-Flyer an die LOS- und Pink Cross-Mitglieder. Dank dem freundlichen Entgegenkommen der schweizerischen Dachorganisationen können wir ein interessiertes Publikum erreichen. Insbesondere vom erstmaligen Versand an die LOS-Mitglieder erhoffen wir uns einiges, bisher machen ja nicht viele Frauen aktiv mit.
Jahresversammlung medigay
Anfang 2001 lud uns medigay an ihre Jahresversammlung im anderland ein. Wir konnten unsere Aktivitäten vorstellen und mit den Anwesenden eine interessante Diskussion führen.
Artikel
Im Vorfeld der CSDs konnten wir in der AktivistInnen-Zeitung von AI, dem ai-intern, einige Artikel unterbringen. Ziel war es, möglichst viele AI-Mitglieder an die Anlässe zu bringen. Zumindest in Sion hat das ausgezeichnet funktioniert, zahlreiche lokale AI-Leute kamen uns unterstützen. Im Mitglieder-Magazin von Amnesty erscheint im Oktober 2001 ein Beitrag zum Schauprozess in Ägypten. Letzterer hat auch in Zeitungen wie 20min und le Temps Eingang gefunden
Queersicht
Wir sind nach längerem Unterbruch wieder am Berner Filmfestival präsent: Mit dem kleinen Hinweis im Programmheft und den aufgelegten Flyern wollen wir interessierte Leute ansprechen.
3. AI-INTERN
Zusammenarbeit mit den anderen Berufs- und Zielgruppen
Um diese Zusammenarbeit zu fördern, treffen sich die verschiedenen Zielgruppen alle zwei Monate im Rahmen des Kampagnen-Netzwerks KNW. Dabei lassen sich Synergien nutzen und Infos austauschen.
Internationales Sekretariat in London
Zweifellos die wichtigste Aktion des IS für unser Anliegen war dieses Jahr der neue Bericht über Folter aufgrund der sexuellen Orientierung. Die professionelle Lancierung in Buenos Aires fand vor allem auf dem amerikanischen Kontinent ein grosses Medienecho.
Aus der Nachbarschaft
Wie bisher verschicken wir die action news der deutschen lgbt-Gruppe. In Österreich ist zudem eine neue Gruppe in Entstehung. HDH Genf ist in ständigem Kontakt mit der französischen Gruppe, mit der sie eine nützliche Mailing List verbindet.
ai-lgbt.org
Etwa 30 Länder weisen GLBT-Zielgruppen wie die unsere auf. Üblicherweise beschränkt sich der Kontakt zwischen ihnen auf Infotausch via Mailing List. Ein Komitee ist gegenwärtig damit befasst, stabilere Strukturen und Verantwortlichkeiten zu organisieren. Die meisten Mitteilungen und Infos kommen aus dem Internationalen Sekretariat und aus der holländischen Sektion. Dank dem Einsatz u.a. der kanadischen lgbt-Gruppen konnte der Internet-Auftritt des Netzwerks aktualisiert werden. Unter www.ai-lgbt.org finden sich alle aktuellen Petitionen, alle Adressen und Hintergrund-Informationen.
Unsere Seite bei amnesty.ch (http://www.amnesty.ch/de/themen/weitere/lgbt/sexuelle-orientierung-gleiche-rechte-fuer-alle, aktualisert Jan.2010)
umfasst die nötigsten Kontaktangaben.
Unsere Gruppen
Die Mitgliederzahl ist seit letztem Jahr geringfügig gestiegen, von 146 auf 167. Weitere 47 Interessierte und SpenderInnen finden sich auf unserer Adressliste. Über die Hälfte der Mitglieder kommt aus dem Grossraum Zürich.
Die Gruppe in Genf ist organisatorisch in die Genfer Gruppen integriert. Dies hat manche konkrete Vorteile: Die Kräfte lassen sich bündeln, und HDH kann das AI-Häuschen bei der Gare des Eaux-Vives mitbenutzen.
Delegiertenversammlung von AI-Schweiz, Yverdon-les-Bains, Frühling 2001
Zu den wichtigsten Traktanden zählte das Mandat (Beschlüsse vom ICM, Ausweitung der traditionellen Einsatzdoktrin). Da in diesem Zusammenhang die Menschenrechtsverletzungen aufgrund von Diskriminierung besser zur Geltung kommen, ist dieser Punkt für uns von grosser Bedeutung. Auch die Eröffnung neuen Regionalbüros in Zürich oder Lugano stand zur Debatte. Ein Prioritäten-Entscheid konnte nicht gefasst werden.
Mitglieder-Znacht, Dezember 2000
Dieses fand dieses Jahr in Basel statt. Nur wenige nicht-aktive Mitglieder fanden den Weg zu uns.
1. Mai 2001
Wir machten bei der Standaktion der AI-Zürcher-Gruppen auf dem Kasernen-Areal mit.
4. WAS BRINGT DAS NÄCHSTE JAHR?
Unsere Mitglieder
Dank Unterstützung aus dem Sekretariat von AI in Bern haben wir ein paar neue Aktive gewinnen können. Um die 160 Unterstützungsmitglieder und etwa 40 Interessierte und SpenderInnen ermöglichen uns eine effiziente Arbeit. Herzlichen Dank an alle!
Unsere Kontakte
Wir haben ausserhalb von Europa vor allem mit ai lgbt Gruppen aus Lateinamerika Kontakt. Ziel ist es, den Info-Austausch zu verbessern.
Unsere Regionalgruppen
Da über die Hälfte unserer Mitglieder aus Zürich kommt, möchten wir weiterhin versuchen, dort etwas auf die Beine zu stellen. Wenn Du Interesse hast, melde Dich doch bei Pierre (tel ...).
Unsere Sektion
Zusammen mit dem Sekretariat der Schweizer Sektion organisieren wir im Rahmen der CAT lgbt-Themen-Abende für AI-Mitglieder. Die Daten sind noch offen.
Unsere Schlüssel-Daten
Die Schweizer Sektion möchte in Zukunft den Menschenrechtstag (10. Dezember) besser pflegen und mit den Gruppen begehen. Einen Start gibt’s am 8. Dezember 2001: Kerzenverkauf vor Berner Coop-Filialen, Aktion auf der Zürcher Gemüsebrücke.
Zusammen mit den Berner Gruppen möchten wir zudem jährlich etwa zwei Anlässe durchführen (z.B. Frauentag). Am 25. November 2001 organisiert die Frauengruppe Bern zusammen mit uns einen Aktionstag in der Reithalle (Bern) mit Film, Musik und mit dem Kampagnen-Bus.
Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2001
(November 2000 bis Oktober 2001)
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