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Jahresbericht 2007 von Queeramnesty Drucken E-Mail
Mittwoch, 31. Oktober 2007
Queeramnesty Jahresbericht 2007 (Nov. 2006 bis Okt. 2007) ft>

1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH


Honduras: Polizeigewalt gegen LGBT Aktivist (April 07)

Donny Reyes, Aktivist der LGBT Organisation Arcoiris wurde am 18. März 2007 von Polizeibeamten verhaftet und misshandelt. Auf der Polizeiwache wurde er von Mitgefangen mehrfach vergewaltigt und geschlagen, offenbar unter Ermutigung der Polizei. Amnesty International verlangte, dass der Vorfall rasch und unabhängig untersucht wird, dass die Einschüchterungen eingestellt werden, und dass Arcoiris ihre Arbeit ohne Behinderungen ausüben kann.


Philippinen: Schutz vor Diskriminierung (November 06)

Ein Gesetzesvorstoss (1738) im Senat forderte einen expliziten und umfassenden Schutz gegen Diskriminierung auf Grund der sexuellen Orientierung und der sexuellen Identität. Amnesty International unterstützte dieses Vorhaben mit einer Petition.


USA: Chicago (November 06)

Im Rahmen der Kampagne gegen Polizeigewalt gegen LGBT in den USA haben wir Ende 2006 Unterschriften gesammelt. Innerhalb der LGBT-Gemeinschaft leiden besonders Transgender, Angehörige von ethnischen Minderheiten, Jugendliche und MigrantInnen unter Missbräuchen. Viele dieser Straftaten bleiben ungeahndet.


Indonesien: Folter an Schwulen durch die Polizei (Juli 07)

In Banda Rayas drangen in der Nacht vom 22. Januar zwei Männer in das Zimmer zweier Schwuler ein und schlugen auf diese ein. Die herbeigerufene Polizei misshandelte sie ebenfalls. Am nächsten Tag musste sich einer der Männer schriftlich verpflichten, keine homosexuellen Handlungen mehr durchzuführen, worauf die Männer aus der Haft entlassen wurden. Obwohl die beteiligten Polizisten bereits verhaftet wurden, forderte Amnesty International eine unabhängige und rasche Untersuchung des Vorfalls.


Iran: Inhaftierung von Männern mit Frauenkleidern (Juni 07)

Am 10. Mai 2007 wurden in der iranischen Provinz Isfahan an einer Privatparty 87 Männer verhaftet. Davon blieben die 17 Männer, welche an der Party Frauenkleider trugen, in Gewahrsam. Den inhaftierten Männern wird „homosexuelles Verhalten“ sowie Alkoholkonsum vorgeworfen. Laut Augenzeugenberichten sind die Männer bei ihrer Verhaftung massiv misshandelt und dabei verletzt worden. Amnesty anerkennt, dass Alkoholkonsum im Iran verboten ist, wollte aber die Inhaftierungsgründe genauer erläutert und die Polizeimisshandlungen untersucht sehen.


Kosovo: LGBT Menschenrechtsverteidiger (Juni 07)

Der Leiter einer LGBT Organisation in Kosovo wurde wiederholt massiv bedroht. Andere Übergriffe an Schwulen zeigen, dass die Drohungen ernst zu nehmen sind. Die Polizei weigerte sich aber, Ermittlungen aufzunehmen, da sie die Drohungen für nicht ernsthaft hielt. Die Petition rief den Polizeiminister auf, sofortige Ermittlungen aufzunehmen und die Sicherheit von LGBT AktivistInnen zu garantieren.


Lettland: Schutz vor Übergriffen an Pride (Mai 07)

Anlässlich der Pride 2005 und der Treffen, die die geplante Pride 2006 ersetzten, wurden die Teilnehmer Opfer von Gewalt durch Gegendemonstranten. Obwohl dies im Vorfeld verlangt worden war, waren keine Gesetzeshüter anwesend, um einzuschreiten. Die Urgent Action verlangte Polizeischutz für LGBT Menschen und den Schutz ihres Rechts auf Versammlungsfreiheit sowie geeignete Massnahmen für Diskriminierungschutz und Schutz vor Gewalt.


Saudi Arabien: Auspeitschungen (November 07)

Die Urgent Action verlangt den sofortigen Stopp von Auspeitschungen an zwei Männern, die wegen sexuellen Kontakten verurteilt wurden. Amnesty hält Personen, die nur wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, für Gewissensgefangene. Auspeitschungen sind Folter und verstossen daher gegen internationales Recht.


Iran: Drohende Hinrichtung von minderjährigen „Straftätern“ (Nov. 07)

Makwan Moloudzadeh, ein 21 jähriger iranischer Kurde, wurde 2006 wegen angeblichem Sexualverkehr mit einem 13jährigen Knaben angeklagt. Die Tat soll stattgefunden haben, als er selber auch erst 13 Jahre alt war. Im Sommer 2007 wurde er dann deswegen zum Tod verurteilt. Das Urteil ist ein Skandal, vor allem weil der Verurteilte zum Tatzeitpunkt laut iranischem Recht minderjährig war.


Litauen: Meinungsäusserungsfreiheit schützen (November 07)

Die Petition verlangt, dass das Recht auf Meinungsäusserung und auf Versammlungsfreiheit auch für LGBT Personen gilt. Die Behörden haben eine Bustour gegen Diskriminierung und das Hissen von Regenbogenfahnen untersagt.


2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT


www.queeramnesty.ch

Auch dieses Jahr wurde die Website von Hannes stets auf dem neusten Stand gehalten. Die Seite gibt einen Einblick in unsere Tätigkeiten und Aktionen. Das Queeramnesty Team dankt Hannes herzlichst für sein Engagement.


CSD im Juni

Am diesjährigen CSD waren wir wieder mit einem Stand anwesend und sammelten Unterschriften für die zu jener Zeit aktuellen Petitionen (Kosovo, Iran). Um besser auf uns aufmerksam zu machen, liessen wir T-Shirts mit dem Slogan „Menschenrechte für alle“ und Internetadresse drucken. Der CSD und vor allem die Unterschriftensammlungen waren ein enormer Erfolg und wir freuen uns, auch nächstes Jahr wieder für schwullesbische Anliegen einzusetzen.


Dokumentationen

Um auf unsere Tätigkeiten sowie die Situation von LGBTs weltweit aufmerksam zu machen, werden verschiedene Dokumentationen erarbeitet. Einerseits haben wir eine Power Point Präsentation, welche unsere Tätigkeiten stichwortartig zusammenfasst. Eine ausführliche Zusammenfassung betreffend LGBT Rechte weltweit ist zur Zeit in Bearbeitung.


Weiterbildungstag GLL

GLL organisiert Schulbesuche, bei denen die SchülerInnen mit der LGBT Thematik konfrontiert werden. Bei dem jährlichen Weiterbildungstag hatten wir die Gelegenheit, eine kurze Einführung in die Thematik MuslimInnen und Homosexualität zu gestalten.


Gruppe International mit LOS und Pink Cross

Gruppe International mit LOS und Pink Cross Im weitesten Sinn Öffentlichkeitsarbeit ist auch unsere Teilnahme an den Sitzungen der Gruppe International von LOS und Pink Cross. Die Koordination der Gruppen, die in diesem Bereich aktiv sind, ist wichtig.


GayMigs - Unterstützung für Schwule mit Migrationshintergrund

Wir arbeiteten in einer Arbeitsgruppe der HAZ mit, welche vorerst für den Raum Zürich erfolgreiche eine Vernetzung von Fachstellen (Asylwesen, Quartierzentren, Sprechstunde Katonsspital uam) zur Unterstützung von Schwulen mit Migrationshintergrund ermöglichte. Auf Juni 2007 wurde ein GayMigs-Flyer herausgeben.


3. AI-INTERN


Zusammenarbeit in der Schweiz

Queeramnesty hat sich vorgenommen, stärker mit anderen Amnesty-Gruppen zusammen zu arbeiten. Ein erstes Treffen hat mit der Amnesty Gruppe Zug bereits geklappt. Dabei stellten wir uns und unsere Tätigkeiten anhand einer Präsentation vor und diskutierten anschliessend mit der Zuger Gruppe über die Thematik von LGBTs. Man einigte sich auch mit der Zuger Gruppe allfällige Standaktionen nach Möglichkeit auch gemeinsam durchzuführen.


Zusammenarbeit international

Der Koordinator war die letzten beiden Jahre im Coordination Team vertreten; die wichtigsten Ziele dieses Gremiums sind die Vertretung der LGBT-Thematik gegenüber dem Internationalen Sekretariat sowie die Koordination zwischen den verschiedenen Gruppen in den Ländersektionen von Amnesty. Da die konkrete Form der institutionellen Organisationsform von Land zu Land sehr unterschiedlich ist, haben wir punkto Koordination nicht grosse Fortschritte erzielt. Hingegen hat die LGBT-Thematik im Internationalen Sekretariat mehr Aufmerksamkeit erhalten. Mehrere wichtige Aktionen, insbesondere zu Osteuropa, konnten lanciert werden. Auch die Kampagne gegen Polizeigewalt in den USA war ein Erfolg.


Deutschland

Wie immer, haben wir auch letzten November am Treffen der deutschen MERSI-Gruppen teilgenommen, damals in Frankfurt. Wichtigste Traktanden waren natürlich die Interna der deutschen Gruppen sowie die Besetzung der Ämter für die Koordination zwischen den Gruppen. Auch die Zusammenarbeit für den Rundbrief war ein wichtiges Thema. Ein Vertreter aus Weissrussland informierte auf spannende Weise, wie er Menschenrechtsarbeit unter schwierigen Bedingungen machen kann.


Neuverteilung der Aufgaben

Um die Organisation von Queeramnesty zu optimieren, fand im September eine Retraite statt, bei welcher wir uns vornahmen, verschiedene Umstrukturierungen vorzunehmen. Dabei wurden administrative Vorgänge in verschiedene Bereiche aufgeteilt und an unsere Mitglieder überwiesen. Ganz allgemein soll einerseits der Gruppenleiter Hans Markus Herren gezielt entlastet werden, andererseits wollen wir auch unsere Abläufe optimieren und somit auch ein klares Auftreten –nicht zuletzt auch für Neumitglieder- erreichen.


Ein herzlicher Dank an alle, die uns dieses Jahr unterstützten!

Unsere Gruppe hat nun 300 Mitglieder, 40 InteressentInnen und 60 SpenderInnen. Nur dank der regelmässigen Unterstützung ist unsere Arbeit möglich.

Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2007
(November 2006 bis Oktober 2007)
Die Karte von www.worldmapper.org zeigt die Grösse der Ländern proportional zur Bevölkerung 2000

Weltkarte, Queeramnesty 2007