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Sonntag, 31. Oktober 2004
Jahresbericht 2004 von Queeramnesty (Nov. 2003 bis Okt. 2004)

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  • 1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH (Uzbekistan: Menschenrechtsverteidiger in Gefahr, Chile: Bedrohte Transvestiten, Kampagnen: VAW, Violence Against Women, Guatemala: Drohungen gegen Lesben, Honduras: Verein anerkannt, Südkorea: Schwuler Friedansaktivist in Haft, Ecuador: LGBT-Aktivisten bedroht, China: Festnahme von HIV-Positiven, Mexiko: Festnahme von Schwulen aufgrund von fabrizierten Anklagen, Nepal: Festnahme von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern)

  • 2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT (www.queeramnesty.ch, Neue Flyer, neue Publikationen, Vorträge u.ä, CSD, Pride, Forum du 7 juillet 2004, LOS, Pink Cross)
  • 3. AI-INTERN (Zusammenarbeit der Sektion, Coordinating Team, Burkina Faso: Unterstützung beim Aufbau der Gruppe, Gruppen in der Schweiz)
  • Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2004

1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH


Uzbekistan: Menschenrechtsverteidiger in Gefahr

Ruslan Sharipov, Menschenrechtsverteidiger aus Uzbekistan Schon im Mai 2003 wurde Ruslan Sharipov, ein 25-jähriger Korrespondent der russischen Nachrichtenagentur PRIMA, in Taschkent (Usbekistan) verhaftet. Anklagepunkt: Homosexualität nach Artikel 120, der "die gewaltfreie Befriedigung des Sexualtriebes zwischen zwei Männern" mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Während der Verhöre wurde sehr schnell klar, wieso Herr Sharipov in Tat und Wahrheit verhaftet wurde: Seit langem schrieb er kritische Artikel über Menschenrechtsverletzungen in Usbekistan. Der Fall zeigt einmal mehr, wofür derartige "Sodomie-Gesetze" häufig eingesetzt werden: Um aufmüpfige Bürgerinnen und Bürger gefügig zu machen. Die sexuelle Ausrichtung ist ein heikler Punkt, an dem Regimekritikerinnen und -kritiker in vielen Ländern verletzlich sind, weil sich niemand wagt, sich für sie einzusetzen.

Chile: Bedrohte Transvestiten

Auch der zweite Fall, für den wir uns im März 2004 eingesetzt haben zeigt, dass sich Menschenrechtsverteidigerinnen und –verteidiger häufig besonderen Risiken aussetzen. Zudem illustriert der Fall die Schwierigkeiten, mit denen Transvestiten in vielen Ländern Lateinamerikas zu kämpfen haben.
Mitte Dezember 2003 ist auf den Menschenrechtler Rodrigo López Barrera in San Felipe, im Westen von Santiago, mehrmals geschossen worden. Wenige Tage zuvor hatte Barrera, der sich für die Rechte von Transvestiten einsetzt, Morddrohungen per Telefon erhalten. Wenige Tage nach dem Attentat wurde er von Unbekannten in einem Auto verfolgt. Als Vorsitzender der Transvestitenorganisation "TravesChile of Aconcagua" hat Barrera mehrere Anzeigen erstattet und Drohungen sowie Angriffe auf Transvestiten in der Provinz Aconcagua öffentlich angeprangert. Wegen der jüngsten Angriffe auf ihn wurde bei den chilenischen Behörden Anzeige erstattet, bisher sind jedoch nach Kenntnis von Amnesty International keine Ermittlungen gegen die Täter eingeleitet worden.

Kampagnen: VAW, Violence Against Women

Von Anfang an haben wir uns dafür eingesetzt, dass die Thematik der Lesben in dieser Kampagne nicht zu kurz kommt. Wir verlangten insbesondere einen oder mehrer Fälle von Gewalt gegen Lesben. Inzwischen hat es einen gegeben: Guatemala (siehe unten).
Vor allem unsere Vertretung beim internationalen Sekretariat in London, das Coordinating Team, hat sich sehr für diese Anliegen eingesetzt.

Guatemala: Drohungen gegen Lesben

Die Einschüchterung und Bedrohung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten hat in Guatemala eine lange Tradition. Die Aggressionen gegen Claudia Acevedo und die anderen Mitglieder der Lesbenorganisation COLECTIVA DE LESBIANAS LIBERADAS (Lesbiradas) sind dafür das jüngste Beispiel. Die Bedrohungen sind vor dem Hintergrund anhaltender Gewalt gegen verschiedenste Minderheiten zu sehen.

Honduras: Verein anerkannt

Auch dieses Jahr haben wir wieder eine Petition zu Honduras lanciert. Am 15. Juli 2003 wurde Erick David Yáñez, auch unter dem Namen Ericka bekannt, Opfer eines Mordanschlags. Bis heute sind keine nennenswerten Fortschritte bei der Aufklärung dieses Mordes zu verzeichnen. Besorgniserregend ist, dass potentielle Zeugen in der Comunidad Gay Sampedrana in grosser Gefahr leben. Wiederholt wurden sie mit dem Tod bedroht. Trotzdem wurde der entsprechende Polizeischutz kurz nach dem Anschlag eingestellt, was die entsprechenden Gefahren enorm erhöhte. Schwule und Transvestiten sind in Honduras immer wieder Opfer von Gewalt geworden.
Einen Lichtblick gibt es allerdings: Vor kurzem ist die Comunidad Gay Sampedrana als offizieller Verein registriert worden.

Südkorea: Schwuler Friedansaktivist in Haft

Lim Taehoon (28), Friedensaktivist aus Südkorea Lim Taehoon (28) wurde offiziell eingesperrt, weil er als überzeugter Friedensaktivist keinen Dienst tun wollte. Sein Fall zeigt auch deutlich eine massive Praxis der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und von Transsexuellen. So etwa durch Zuschreibung von Bezeichnungen wie "gestörte Persönlichkeit" oder "verhaltensgestört" (behavioural disability) - dies bei der militärische Aushebung.

Ecuador: LGBT-Aktivisten bedroht

Dass die Research-Arbeit zu sexuellen Minderheiten in Lateinamerika sehr intensiv weiterbetrieben wurde, zeigt diese erneute Petition zu Ecuador.
Patricio Ordóñez Maico und andere Mitglieder der Stiftung "Fundación Amigos por la Vida" Nachdem am 11. April 2004 eine telefonische Bombendrohung bei der nichtstaatlichen Organisation "Fundación Amigos por la Vida" eingegangen ist und ein Unbekannter im Büro der Organisation in Guayaquil erschienen war, um Patricio Ordóñez Maico abzuholen, fürchtet Amnesty International um die Sicherheit von Patricio Ordóñez Maico und anderen Mitgliedern der "Fundación Amigos por la Vida", die sich für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen einsetzen.

China: Festnahme von HIV-Positiven

Mindestens sechs HIV-Infizierte bzw. AIDS-Kranke, darunter die beiden oben genannten Männer, sind Berichten zufolge in der Binnenprovinz Henan festgenommen worden, nachdem sie sich an die lokalen Behörden um Hilfe gewandt hatten. Sie sind möglicherweise in Gefahr, misshandelt oder gefoltert zu werden, sodass Anlass zur Sorge um ihre Sicherheit besteht.

Mexiko: Festnahme von Schwulen aufgrund von fabrizierten Anklagen

Hiram Oliveros und sein Freund Mario Medina wurden inhaftiert, weil sie beschuldigt wurden, am Mord eines lokalen Journalisten beteiligt gewesen zu sein. Den Berichten zu Folge wurden sie gefoltert, um Geständnisse abzulegen. Die Anschuldigungen sind fabriziert und sollen von den tatsächlichen Urhebern des Mordes ablenken. Mario Medina wurde zudem im Gefängnis seinerseits ermordet.

Nepal: Festnahme von Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidigern

Sie sind Mitglieder der Blue Diamond Society, einer lokalen Organisation, die sich für sexuelle Gesundheit, HIV/Aids sowie für die Rechte sexueller Minderheiten einsetzt. Alle wurden in der Polizeistation Hanuman Dhoka festgehalten. Sie sollen in den 15 ersten Stunden ihrer Haftzeit weder mit Essen noch mit Trinkwasser versorgt worden sein. Andere metis wurden früher auf Polizeistationen geschlagen und vergewaltigt, weshalb die nun verhafteten in grosser Gefahr sind. Sie wurden zwar nach relativ kurzer Zeit gegen Kaution freigelassen, die Prozesse aber gehen weiter.

2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT


www.queeramnesty.ch

Die Internet-Seite wird seit einem guten Jahr fleissig mit Inhalt gefüllt. Der primäre Vorteil ist für die Nutzerinnen und Nutzer, dass die Petitionen schnell aufgeschaltet werden, dass (fast) die gesamten Inhalte unserer 7-jährigen Existenz griffbereit sind, und dass wir auf dem Netz kontaktierbar sind.
Was man sicher noch verbessern könnte, ist das Angebot an Links und ein Newsletter, um die Leute auf neue Aktionen aufmerksam zu machen.

Neue Flyer, neue Publikationen

Die rosa Flyer sind fleissig verteilt worden. Gewisse Vereine/Lokalitäten sollte man noch besser mit Flyern bedienen. Und vor allem fehlt noch eine französische und italienische Version.
Nachdem „Breaking the silence“ zusehends in die Jahre gekommen ist, und auch „Crimes of Hate, Conspiracy of Silence“ nicht mehr ganz taufrisch ist, hat die UK-Sektion löblicherweise eine neue Publikation herausgegeben: „Sex, Love and Homophobia“. Gut illustriert und interessant geschrieben. Aber nur auf englisch verfügbar…

Vorträge u.ä

Auch dieses Jahr hatten wir wieder mehrmals Gelegenheit, unsere Arbeit interessierten Leuten vorzustellen, u.a. der Jugendgruppe Coming inn.

CSD

Für die CSDs haben wir neue Plakate fabriziert. Der Spruch Liebe ist ein Menschenrecht“) ist schlussendlich der gleiche geblieben, aber die neuen Cartons sehen doch viel ansprechender aus. Der Stand auf dem Turbinenplatz in Zürich war trotz des schlechten Wetters ein Erfolg, vor allem dank warmer Getränke. Die Tatkraft einiger Mitglieder und Sponsoren haben es einmal mehr ermöglicht, ein gutes Angebot zu machen: Getränke und Häppchen sowie eine gefällige Gestaltung zogen viele interessierte an.

Pride, Forum du 7 juillet 2004

In Genf hat unsere dortige Schwestergruppe „homoséxualités et droits humains hdh“ den Stand betreut und Unterschriften gesammelt. Zudem hat die Gruppe ein ausgezeichnetes Forum über sexuelle Orientierung und Menschenrechte organisiert (Conférence-débat avec la participation de personnalités politiques suisses et internationales et de spécialistes des droits humains.) Teilgenommen haben unter anderen Christiane Brunner, James Hormel, Aya Kamikawa, Melinda Ching und Sheik Omar Zongo (Burkina Faso).

LOS, Pink Cross

Liebe ist ein Menschenrecht - L'Amour, un Droit Humain - CSD 5. Juni 2004 Zürich. Foto-© by Hannes Schüle
Liebe ist ein Menschenrecht - L'Amour, un Droit Humain - Gemeinsame Kampagne von Pinkcross, LOS, Network, Fels und Queeramnesty

Das Jahresthema „Lesben und Schwule in der Welt“ hat uns Gelegenheit gegeben, an mehreren Versänden Teilzunehmen und unseren Rundbrief beizulegen. Auch eine Faltkarte wurde in Zusammenarbeit mit LOS und Pink Cross produziert.

Rundbrief aus Deutschland

Die Produktion des Rundbriefs wurde mitte 2004 vorläufig unterbrochen. Vertriebskonzept und Zusammenarbeit müssen auf eine neue Basis gestellt werden. Wir hoffen, dass die Produktion in der einen oder anderen Form möglichst bald wieder aufgenommen wird.

3. AI-INTERN


Zusammenarbeit mit der Sektion

Stella Jegher, die Verantwortliche im Sekretariat für lgbt-Fragen, hält uns regelmässig auf dem laufenden. Im vergangenen Jahr ist sie vor allem mit der VAW-Kampagne beschäftigt gewesen.

Wir sollten uns bemühen, den andern AI-Gruppen unser Material effizienter verfügbar zu machen (Teilnahme an Gruppen-Versänden, u.a.). Wie jedes Jahr, haben wir auch diesmal wieder an der DV teilgenommen (in Bienne).

Coordinating Team

Unserer Lobby-Gruppe, die sich vor allem mit dem Internationalen Sekretariat und seinen Strategien befasst, gehören momentan Leute aus Frankreich, UK, US, Hongkong, Israel, Venezuela an. Dank der mailing list sind wir immer über neue Entwicklungen informiert. Von da kommen übrigens auch alle unsere Petitionen! Betreffend regionale Koordination (u.a. mit Deutschland) sind einige Ideen in der Luft, wie sie verbessert werden könnte.

Burkina Faso: Unterstützung beim Aufbau der Gruppe

Sehr oft erhalten wir Anfragen für Unterstützung. Aber bei weitem nicht immer sind die Absichten dahinter auch transparent und unserem Mandat entsprechend… Mit der Gruppe in Ouagadougou haben wir einen intensiven Dialog geführt, und dank eines Zufalls hat jemand aus unserem Bakanntenkreis die Gruppe besuchen können. Wie die Unterstützung genau aussehen wird, ist noch nicht abschließend klar.

Gruppen in der Schweiz

Die Zahl der zahlenden Mitglieder ist letztes Jahr nahezu leicht gestiegen: Von 169 auf 189. Weitere 80 Mitglieder sind im Moment in Zahlungsrückstand (Beitrag 2003 nicht überwiesen). Zudem haben wir 53 SpenderInnen und 26 Interessierte, was gegenüber dem Vorjahr eine wesentliche Steigerung bedeutet. Die Gruppe Homosexualités et Droits Humains HDH in Genf hat sich zusammen mit den Genfer Gruppen organisiert. In Genf gibt es zwar weniger Mitglieder, die Gruppe ist deswegen aber nicht weniger aktiv!

Ein grosses Merci an alle, die uns dieses Jahr unterstützten!

Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2004
(November 2003 bis Oktober 2004)

Weltkarte, AIGL 2004 border=1