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Freitag, 31. Oktober 2003

Jahresbericht 2003 von Queeramnesty (Nov. 2002 bis Okt. 2003)

  • NEU - ist dieser Jahresbericht von Queeramnesty 2003 (Nov.02 - Okt.03) als PDF erhältlich!

  • 1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH (Ägypten, Ecuador, Kampagnen: VAW, Violence Against Women, Honduras, Beratung betreffend Asylsuchende)

  • 2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT (www.queeramnesty.ch, Neue Flyer, CSD, Pride, LOS, Pink Cross , Rundbrief aus Deutschland, Demo in Genf am 10.5.2003, Presse-Artikel, Queersicht, Les fêtes 360°, Université d’été des Homosexualités, Marseille, Neues Video)
  • 3. AI-INTERN (Zusammenarbeit mit der Sektion, Delegiertenversammlung von AI-Schweiz in Genève im April 2003, Internationales Sekretariat in London, BUT Kassel, Polen: Unterstützung bei der Übersetzung von Breaking the Silence, Senegal, AI LGBT Gruppen, Gruppen in der Schweiz, Mitglieder-Znacht Dezember 2002)
  • Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2003

1. AKTIONEN IM MANDATSBEREICH


Ägypten

in Ägypten werde Schwule von der Polizei auch im Internet verfolgt Ägypten ist auch im Jahr 2003 ein Dauerthema geblieben. Angefangen hat die Verhaftungswelle schon im Jahr 2001 mit der sog. Queen Boat Affäre. Im Juli 2002 wurde auf Geheiss des Präsidenten der Prozess gegen die Gesamtheit der ursprünglich 52 Verhafteten wieder aufgenommen, diesmal vor einem zivilen Gericht. AI wehrte sich gegen die fortgesetzte Inhaftierung von angeblich oder tatsächlich schwulen Männern.

Weitere Verhaftungen ähnlicher Art haben zudem in anderen Städten des Landes stattgefunden. Die Inhaftierung von Leuten aufgrund von ihrer angeblichen oder wirklichen sexuellen Orientierung stellt eine Verletzung des Rechts auf Schutz vor Diskriminierung dar, wie sie in internationalen Verträgen, denen Ägypten beigetreten ist, festgeschrieben steht (ICCPR). Im Oktober 2002 veröffentlichte Amnesty einen Bericht über die Menschenrechts-Situation in Ägypten, in den die Vorfälle Eingang fanden. Seither sind die Verhaftungen unvermindert weitergegangen: Wir haben für die in Giza verhafteten eine Petition geschrieben. Diese wurden in Polizeihaft misshandelt und mussten sich besonders widerlichen „medizinischen“ Eingriffen unterziehen. Das UN-Komitee gegen Folter hat Ägypten aus diesem Grund denn auch scharf kritisiert.
In Ägypten ist Homosexualität nicht illegal: Sie wird explizit in keinem Gesetzestext erwähnt. Allerdings dienen Moral-Artikel dazu, die Leute aufgrund ihrer sexuellen Identität zu verurteilen. Der neuste Fall betrifft 12 in Agouza abgeurteilten Männer.
Die Frage drängt sich auf, wieso sich AI seit längerem so intensiv mit Ägypten befasst. Zwei Hauptgründe stehen im Vordergrund: Erstens ist die Informationslage relativ gut, und zweitens reagiert Ägypten sensibel auf Kritik aus den Herkunftsländern der TouristInnen.
Ferner nutzt die ägyptische Polizei immer häufiger das Internet, um kontaktsuchende Schwule festzunehmen. Wenn der vermeintliche Partner ein Polizist ist, folgt sofort die Verhaftung. So geschehen im Frühling 2003 mit Wissam Tawfiq Abyad (Bild oben).
Dank dem neu initialisierten Kontakt mit der Länderkoordinatorin Ägypten der Schweizer Sektion, sind wir immer bestens informiert über die neusten Entwicklungen. Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch die Demo vom 10.5.2003 vor dem Palais des Nations in Genève: Mit unserer Schwestergruppe in Genf machten wir die UNO-Delegierten auf die Anliegen der sexuellen Minderheiten in Ägypten aufmerksam.

Ecuador

Narda Arboleda, Adriana Chávez. Das Lesbenpaar hatte unter verschiedenen Einschüchterungs- und Gewaltakten zu leiden. Die Behörden fanden sich leider nicht dazu bereit, die beiden zu schützen. Wie bereits im Jahr zuvor hatten verschiedene schwul-lesbische Organisationen unter Gewaltakten zu leiden. Im April 2002 hat Amnesty unter dem Titel „Ecuador: Pride and Prejudice“ einen Bericht zur Situation von sexuellen Minderheiten herausgegeben. Zu Beginn des Jahres 2003 führten wir eine Postkarten-Aktion für die beiden Lesben durch.

Kampagnen: VAW, Violence Against Women

Sicher kann nicht jede Kampagne so viel lgbt-Inhalt aufnehmen wie die CAT (Campaign against torture). Die neueste Kampagen aus dem Hause Amnesty richtet sich gegen Gewalt, die Frauen tagtäglich ertragen müssen. Die Kampagne wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Sie bietet gerade im Bereich der Menschenrechte von Lesben auch für unsere Thematik einige Chancen. Allerdings deutet bisher nichts darauf hin, dass Lesbenthemen besonders prominent behandelt werden. Im Lauf der Kampagne wird es aber ziemlich sicher die eine oder andere Petition absetzen (dies jedenfalls ist unsere Absicht!).

Honduras

Die Thematik hat uns im Jahr 2002 schon begleitet: Gewalt gegen Transvestitien. Letztes Jahr betraf es einen Fall aus Venezuela, dieses Jahr einen aus Honduras. Die Ermittlungen der Polizei sind auch hier im Sand verlaufen. Die Urheber von derartigen Menschenrechtsverletzungen können auf die berühmt berüchtigte impunidad, die Straflosigkeit, setzen.

Beratung betreffend Asylsuchende

Unser Angebot bezieht sich in erster Linie auf die Dokumentation der wichtigsten Herkunftsländer. Wir wurden häufig zu Iran und zu einzelnen Ländern in Schwarzafrika befragt. Die Koordination mit den SpezialistInnen im Sekretariat in Bern läuft bestens.

2. ÖFFENTLICHKEITSARBEIT


www.queeramnesty.ch

Nach längeren Geburtswehen hat die Webseite unserer Gruppe das Licht der Welt erblickt. Es ist die Idee, diese zusammen mit der Gruppe in Genf zu betreiben. Im Lauf der Monate konnnten wir dank dem umsichtigen Webmaster immer mehr Inhalt aufschalten. Was noch fehlt, ist der Inhalt aus der Westschweiz und vielleicht mal eine etwas ausgefeiltere Gestaltung.

Neue Flyer

Die Flyer sind zwar nicht neu geboren, aber doch völlig überarbeitet und layout-mässig etwas frischer geworden. Der erste Grosseinsatz betraf die beiden Prides in der Schweiz.

CSD, Pride

Dieses Jahr kam das Transpi das letzte Mal zum Einsatz („Liebe ist ein Menschenrecht“). Erstens ist ein neuer Spruch fällig, zweitens ist das Ding mit den Jahren nicht leichter geworden und drittens auch nicht sauberer. Der Stand in der Kaserne war ein Erfolg, vor allem dank tatkräftiger Mithilfe unserer Mitglieder aus Zürich. Die Sponsoren ermöglichten auch dieses Jahr einen frischen, sypmpathischen Auftritt. Aus Sicht der Ästhetik liess der Stand keine Wünsche offen.
In Delémont haben die Genferinnen und Genfer Regie geführt. Die Pride bot uns die Möglichkeit, uns wieder mal etwas abzusprechen. Wir konnten viele Interessierte mit Infomaterial bedienen.
Ferner hat eine Delegation die Pride in Bari besucht. Interessante Kontakte und ein gut besuchtes Grossereignis im eher „schwierigen“ Süden Italiens.

LOS, Pink Cross

Dank unserer Mitgliedschaft in beiden Dachorganisationen klappen die Informationsflüsse bestens.

Rundbrief aus Deutschland

Das Konzept der Rundbriefe aus Deutschland hat einige Änderungen erfahren. Dank unserer Reise ans Bundestreffen in Kassel (November 2002) liess sich die Zusammenarbeit erneuern und ausbauen. Wir selber haben allerdings in letzter Zeit nicht mehr viele Artikel produziert.
Die Genfer Gruppe kooperiert natürlich eher mit den Leuten in Paris, was der Sache sicher dienlich ist.

Demo in Genf, 10.5.2003

Im Mai haben wir (d.h. v.a. die Genfer Gruppe) eine kleine Demo vor dem Palais des Nations in Genf durchgeführt. Idee war es, möglichst viele Journalistinnen und Journalisten herbeizubringen. Die grossen Buchstaben verfehlten ihre Wirklung auch diesmal nicht.

Presse-Artikel

Im Vorfeld der CSDs konnten wir in der AktivistInnen-Zeitung von AI, dem ai-intern, einige Artikel unterbringen. Ziel war es, das breitere AI-Publikum auf unsere Grossereignisse aufmerksam zu machen. Dank der Gruppe in Genf und deren aktiven Mitglieder erscheinen regelmäßig Beiträge über Menschenrechte, UN und Amnesty im Magazin 360º. Zwei Mal konnten wir auch einen Artikel in der Lesbenzeitschrift „die“ publizieren.

Queersicht

Wir haben das Berner Filmfestival Queersicht wiederum mit einem kleinen Hinweis im Programmheft unterstützt. Damit erreichen wir ein an der Thematik interessiertes Publikum.

Les fêtes 360°

HDH stellt bei diesen Anlässen jeweils einen Stand auf und sammelt Unterschriften. Eine gute Sache, da so genau unser Zielpublikum erreicht wird. Siehe auch www.360.ch.

Université d’été des Homosexualités, Marseille

Dieses Jahr wurde nur eine Miniversion durchgeführt. Aus Genf ist jemand dabei gewesen. (siehe www.ueeh.org)

Neues Video

Die holländische Sektion hat ein kurzes Video produziert mit Aussagen von Leuten, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung Menschrechtsverletzungen erlitten haben. Wir haben die englische Übersetzung mit-finanziert.

3. AI-INTERN


Zusammenarbeit mit der Sektion

Wir haben zusammen mit der Frauengruppe und der Sektionsleitung am 20. März 2003 einen interessanten Gedankenaustausch gehabt. Hauptthema war die Integration von LGBT-Themen in die Violence Against Women Kampagne. Auch praktische Fragen der Zusammenarbeit mit der Sektion wurden besprochen. Wegen mangelnder Personalressourcen unsererseits ist der Kontakt mit der Sektion aber 2003 eindeutig zu kurz gekommen. Wir sollten regelmässiger mit dem Sekretariat und vor allem mit den andern Berner Gruppen in Kontakt sein. Die Tatsache, dass die aktiven unserer Gruppe nun zwischen Effretikon und Neuchâtel verstreut leben, erleichtert dies nicht unbedingt. Auch das ai-intern wäre intensiver zu nutzen.

Delegiertenversammlung von AI-Schweiz, Genève, April 2003

Neben den üblichen DV-Geschäften und der Openair-Aktion liess sich auch die Koordination der beiden Gruppen in der Schweiz verbessern.

Internationales Sekretariat in London

Der Bericht über Folter aufgrund der sexuellen Orientierung hat uns auch im vergangen Jahr wichtige Dienste geleistet. Thematische Schwerpunkte waren im IS programmatische Schwerpunkt-Diskussionen und die Kampagnen. Im Rahmen der Russlandkampagne ist für uns leider nicht viel Interessantes angefallen.

BUT Kassel

Eine Einerdelegation hat sich Ende November 2002 nach Kassel aufgemacht, ans Bundestreffen der deutschen lgbt-Gruppen. Im ganzen gibt’s dort etwa etwa sechs Regionalgruppen, und die treffen sich einmal im Jahr am Bundestreffen BUT. Interessant war die Kommunikation zwischen den verschiedenen Gruppen, die offensichtlich relativ autonom funktionieren. Für die Schweizer Gruppe schauten ein paar interessante Inputs heraus. Zudem ging es auch darum, einmal nicht-virtuell herauszufinden, wer eigentlich für den Rundbrief verantwortlich ist.

Polen: Unterstützung bei der Übersetzung von Breaking the Silence

Das Projekt konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Die Übersetzung liegt vor. Wir haben der sehr zielstrebigen Gruppe aus Warschau eine Unterstützung zukommen lassen für die Übersetzung von „Breaking the Silence“. Sie wollen damit eine breite Sensibilisierungs-Arbeit betreiben. Ähnliche Projekte gibt es mit der Türkei, mit Uruguay und mit Senegal.

Senegal

Wir haben kontakt mit einem Aktivisten und möchten im Rahmen unserer Möglichkeiten einen Beitrag zur Etnwicklung von neuen Strukturen leisten. Dies ist allerdings angesichts der schlechten Informationslage und der allgegenwärtigen Repression nicht einfach.

AI LGBT Gruppen

Etwa 30 Länder weisen GLBT-Zielgruppen wie die unsere auf. Die Organisations-Struktur und die Moderation unserer Mailing Liste bleiben ein heißes Eisen. Das Coordinating Team hat sich auch dieses Jahr vornehmlich auf das Lobbying beim Internationalen Sekretariat gekümmert. Die Koordinierung zwischen den Sektionen ist dabei eindeutig zu kurz gekommen. Seit langer Zeit wäre ein Treffen angesagt, in näherer Zukunft scheint aber höchstens ein Treffen auf regionaler Ebene (Europa) realisierbar zu sein. Die Kanadische Gruppe betreibt weiterhin unsere Website www.ai-lgbt.org.

Gruppen in der Schweiz

Die Zahl der zahlenden Mitglieder in der Deutschschweiz hat sich im Lauf des Jahres leicht von 169 auf 187 erhöht. Erfreulicherweise hat sich der Anteil der weiblichen Mitglieder deutlich erhöht. Etliche Leute sind zudem Mitglieder, haben aber den Beitrag 2003 nicht überwiesen. Zusammen mit den Interessierten, den Spenderinnen und Spendern sowie den Organisationen finden sich 315 Einträge auf unserer Adressliste. Über die Hälfte der Mitglieder kommt aus dem Grossraum Zürich.
Die Gruppe in Genf, Homosexualités et Droits Humains HDH, ist zwar wesentlich kleiner, deswegen aber nicht weniger aktiv. Dank etlichen neuen Aktiven waren dieses Jahr etliche Aktionen möglich.

Ein grosses Merci an alle, die uns dieses Jahr unterstützten!

Mitglieder-Znacht, Dezember 2002

Dieses fand dieses Jahr wieder in Effretikon ZH statt. Interessante Diskussion über die Prioritäten für 2003. Herzlichen Dank für's Bewirten!

Regionale Schwerpunkte unserer Aktionen 2003
(November 2002 bis Oktober 2003)

Weltkarte, AIGL 2003