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Themenabend Türkei im Theater Maiers in Zürich Drucken E-Mail
Dienstag, 20. Juni 2006

Dienstag, 20. Juni 2006, 19:30, Themenabend Türkei im Theater Maier's A(l)bisZ in Zürich

Dienstag, 20. Juni 2006, 19:30,
Themenabend Türkei im Theater Maier's A(l)bisZ in Zürich Eine gemeinsame Veranstaltung der AI-Frauengruppe und von Queeramnesty:

"Gewalt gegen Frauen, Ausgrenzung von Homo- und Transsexuellen in der Türkischen Gesellschaft".

Kurze filmische Zeugnisse und anschliessend Diskussion mit türkischen Fachpersonen und Betroffenen (auf Deutsch).

Es diskutierten:

  • Suna Yamaner, Konflikt- und Unternehmensberaterin mit Fokus auf Genderfragen, metapuls Zürich
  • Mehmet Yalcin, Mitarbeiter bei "Gays&Lesbians aus der Türkei" (GLADT), Berlin-Brandenburg
  • Nesrin Kurtulmus-Ulu, Familienbegleiterin in der Schweiz
  • Gesprächsleitung: Hans Markus Herren, Amnesty International Schweiz
>> Artikel von Daniel Römer im P.S. vom 22. Juni 2006 zur Türkei-Veranstaltung . (PDF, A4, 115 kB)

Informationen und Links:


20. Juni 2006: Geschlecht und Sexualität in der Türkei – Gründe für Gewalt?
Eine Veranstaltung von Amnesty International im Theater Maiers in Zürich

Gewalt an Frauen und Ausgrenzung von Homo- und Transsexuellen in der türkisch-kurdischen Gesellschaft

  • Wir leben immer in Angst. Angst vor unseren Vätern, Brüdern und vor unseren Ehemännern. Wir fürchten uns, weil sie gewalttätig sind...
    Nebahat Akkoç, Gründerin einer Frauengruppe gegen familiäre Gewalt in Diyarbakir.
  • Ömers Vater hat damit gedroht, ihn umzubringen, wenn er mit dem Schwul-Sein nicht aufhört.
    Ömer ist einer der Protagonisten des halbdokumentarischen Films "Halbes Leben".
  • Am Dienstag, den 17. Mai 2005 wurde in Istanbul die 34 Jahre alte Petek nachts um 2:30 Uhr vor ihrer Haustür in Besiktas durch drei Messerstiche ermordet. Petek lebte ihre Transsexualität offen.
    Link zur Berliner Veranstaltung zu Transsexualität in der Türkei vom Oktober 2005 siehe ganz unten.

20. Juni 2006, 19.30 Uhr - Bar ab 18 Uhr

Theater Maiers am Albisriederplatz

Albisriederstr. 16, 8003 Zürich, Tram 2 und 3, Bus 33 und 72

Filmausschnitte – Podiumsgespräch – Bar – Mezzes und Begegnungen

Es laden ein: AI-Frauengruppe Zürich und Queeramnesty


Es diskutieren (auf Deutsch):

  • Suna Yamaner, Konflikt- und Unternehmensberaterin mit Fokus auf Genderfragen, metapuls Zürich
  • Mehmet Yalcin, Mitarbeiter bei "Gays&Lesbians aus der Türkei" (GLADT), Berlin-Brandenburg
  • Nesrin Kurtulmus-Ulu, Familienbegleiterin in der Schweiz
  • Gesprächsleitung: Hans Markus Herren, Amnesty International Schweiz
Filmausschnitte zum Einstieg in die Thematik:
- aus "Halbes Leben" von Claudia Laszczak und Kay Wishöth
- aus "Hakli Dayak Yoktur" (Gewalt ist immer Unrecht) von SELMA ALTUN.

Bar, Mezzes und Begegnungen:
Bar ab 18 Uhr, Türöffnung 19 Uhr, Beginn 19.30 Uhr, Eintritt frei, Kollekte

Theater Maiers am Albisriederplatz in Zürich

Mehr zum Thema Geschlecht und Sexualität in der Türkei:

Gewalt gegen Frauen

Laut einer zwischen 1990 und 1996 durchgeführten Untersuchung lebten 88,2% von 1259 Frauen in einer gewalttätigen Umgebung. 68% wurden von ihren Ehemännern geschlagen. (AI-Bericht Türkei, Juni 2004). Frauen in der Türkei sind verschiedenen Gewaltformen aus¬gesetzt: Körperliche Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Zwangsheirat, Ehrenmord. Aber es gibt auch Widerstand und Hoffnung. Frauenrechtsverteidigerinnen kämpfen gegen gesell¬schaftliche Meinungen, die Gewalt gegen Frauen tolerieren und häufig von Richtern, Regierungs¬mitgliedern und Meinungsführern geteilt und somit sanktioniert und zementiert werden. Nebahat Akkoç sagt: "Wir wollen nicht als Kinder verheiratet werden. Wir wollen uns nicht ständig vor Strafen ohne Grund fürchten".

Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund sexueller Orientierung

Schwul- oder Lesbischsein ist heute in der Türkei als einem heute islamisch geprägtem Land(**) zwar keine Straftat, aber weit davon entfernt, als sexuelle Identität akzeptiert zu werden. Dass in Deutschland Homosexuelle heiraten können, klingt für viele Türken in etwa so, als ob die Ehe zwischen Mensch und Tier erlaubt sei. Homosexuelle werden nur geduldet, solange sie unsichtbar bleiben. Die Liebe zum gleichen Geschlecht wird gelebt, aber niemand spricht darüber. Wer sein "Coming Out" trotzdem wagt, setzt leicht seine Existenz aufs Spiel (vgl Halbes Leben). Das türkische Gesetz anerkennt Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung nicht als Tatbestand.

Rosa Pässe für Frauen - himmelblaue für Männer

Petek (siehe oben) hatte an einer renommierten Universität das englische Medizinstudium absolviert. Nach ihrer Entscheidung, ihre Transsexualität offen zu leben, war es ihr jedoch nicht möglich, ihren Beruf weiter auszuüben. Sie arbeitete seither als Prostituierte.
Transsexuelle Menschen werden an den äussersten Rand der Gesellschaft gedrängt: Schon die Passfarbe zeigt, wie tief die Konstrukte von "Männlichkeit" resp. "Weiblichkeit" verankert sind.

Türkei und Islam

** Die Türkei ist kein islamisches Land, sondern ein Säkularstaat, dessen Gesetzgebung in den 20er Jahren von westeuropäischen Staaten übernommen wurde. Die Armee hat immer streng darauf geachtet, dass die Laizität nicht ins Wanken kommt. So ist zwar heute eine islamistische Regierung am Ruder, doch der Staat ist streng laizistisch. Die Mehrheit der Bevölkerung sind Moslem, gehören aber auch unter den Moslem verschiedenen Strömungen an.

Ein gesellschaftliches und kein kulturspezifisches Problem

Häusliche Gewalt, Diskriminierung und Abwertung wegen sexueller Orientierung geschehen auch in der Schweiz. „Es scheint keine eindeutigen Indizien zu geben, dass kulturelle Herkunft, Religion, soziale Schicht oder Bildung einen wesentlichen Einfluss auf das Auftreten häuslicher Gewalt hat. Das einzige, was man sagen kann ist, dass ca. 90-95% aller Gewalttäter männlich (...) sind. Dies lässt den Schluss zu, dass häusliche Gewalt mehr mit unserem kulturell geprägten Konzept der Männlichkeit (...) zu tun hat.“( Suna Yamaner, Häusliche Gewalt und Migration) Gleichberechtigte Frauen und Menschen, die eine sexuelle Identität leben, die nicht der Norm entspricht, stellen eine Bedrohung für patriarchale Strukturen dar. Auch im Westen. Auch in der Schweiz.

Links zum Thema Geschlecht und Sexualität in der Türkei:

Flyer und Plakat: Zur rechtlichen und faktischen Situation in der Türkei heute und für MigrantInnen in der Schweiz:
Zusammengestellt im Juni 2006, wird ergänzt. Veranstalter: TeilnehmerInnen, Beiträge: Inputs:

Rückblick (Presse, Nachträge):

Aktivitäten und Engagements von Queeramnesty zur Türkei (bis Juni 2006):