Home Berichte Aktivtäten Hijras in Varanasi - das Dritte Geschlecht Indiens - Ausstellung im Cafe Zähringer - Mai 2009
Hijras in Varanasi - das Dritte Geschlecht Indiens - Ausstellung im Cafe Zähringer - Mai 2009 Drucken E-Mail
Sonntag, 24. Mai 2009
Ein Engagement von Amnesty International im Rahmen der Europride 2009.
ACT OUT FOR EQUAL RIGHTS: Alle Infos und Fotos Amnesty International @ Europride 2009.

Montag, 18. Mai bis Sonntag 7. Juni 2009
Hijras in Varanasi, Ausstellung von Isabell Zipfel (Deutsch)
Restaurant Café Zähringer, Zähringerplatz 11, 8001 Zürich. Link Karte (Google-Map)
Reservation zum Essen möglich: 044 252 05 00. Link Zähringer

Hijras in Varanasi, Ausstellung von Isabell Zipfel Bild: Hijras in Indien, © Isabell Zipfel.

Hijras in Indien sind, da weder Mann noch Frau, von den meisten gesellschaftlichen Rechten ausgeschlossen und immer wieder Opfer von Menschenrechtsverbrechen. Trotzdem werden sie gerufen für Hochzeiten, bei Familienstreitigkeiten – gehören also zur vielschichtigen indischen Gesellschaft.
Die Bilder der Fotojournalistin Isabell Zipfel sind – selbst dann wenn Trauriges dargestellt wird – von einer ansprechenden, nüchternen Ästhetik.

Indien: britisches Kolonialgesetz gegen Homosexualität vom Obersten Gericht in Neu-Delhi als ungültig erklärt (2.Juli 2009)

Ein Jahr danach (Juli 2010)

Indien und Pakistan anerkennen Drittes Geschlecht NZZ, 24. August 2010)
oder als PDF, A3, 380 kB oder dito PDF, A4, 115 kB

Viele Hintergrundinfos zu Hijras, Indien, Zipfel:


Sonntag, 24. Mai 2009, 18 Uhr: Informationsveranstaltung

Das Dritte Geschlecht - Artikel in respekt 2008/01 (PDF, 120 kB)
Humsafar - indische MSM / TG Organisation
Eine Ausstellung von Amnesty International im Rahmen der Europride 2009
Kontakt: Hannes Schüle, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. , Tel: +41-763.707.555

Eine halbe Million Hijras
In der Indischen Gesellschaft leben rund eine halbe Million - nach anderen Schätzung auch mehr - 'Transgender' (weder Mann noch Frau) in eigenen, speziellen Gemeinschaften. Hijras wollen nicht das Geschlecht wechseln, sondern stellen das Konstrukt der Zweigechlechtigkeit in Frage. Oft als Drittes Geschlecht bezeichnet leben mit ihnen viele verschiedene Menschen, welche mit ihrer sexuellen oder ihrer geschlechtlichen Identität nicht in die Norm hinenpassen. Wohl nur ein kleiner Teil sind "Eunuchen", d.h. kastriert.
Hijras brechen viele Tabus und üben so auf die Menschen der Indischen Norm-Gesellschaft ebenso wie auf BesucherInnen aus dem Ausland eine besondere Faszination aus. So ist es nicht verwunderlich, dass Hijras, wenn sie es denn gestatten, beliebte Fotosujets abgeben. Das Internet ist voll davon.
Dabei sind die Schwarzweissbilder von Isabell Zipfel in ihrer nüchternen, scheuen Ästhetik etwas ganz Besonderes. Erst die grosse Nähe, die Vertrautheit zur portraitierten Gesellschaft erlauben solch einmalige Werke. Zipfel versteht sich zu Recht als Fotojournalistin.

Hijras Speak Out Against Injustice in Bangalore - Human rights laws not implemented in India 16. Jan. 2009 Bild: Hijras sprechen gegen die Ungerechtigkeit in Bangalore. 16. Januar 2009, © Mid-Day

Und damit keine falsche, ästhetisch verklärende Romantik aufkommt: Hijra-Gemeinschaften sind immer wieder Opfer schwerer Menschenrechtsverbrechen, oft durch Staat und Polizei, siehe auch weiter unten den Bericht von HRW (18.Nov.2008) unter Menschenrechte / Transphobie.
Campaign for Sexworkers & Sexual Minorities Rights: restiance by sexual minorities and human rights (Pressemitteilung, 12. Nov. 2008).
Hijras brandmarken die homophoben Gesetze als Überbleibsel der britischen Kolonilherrschaft (Pressekonferenz, 16. Januar 2009).
Lesen (auf Deutsch)
Ein umfassender, gut strukturierter Beitrag über Gegenwart, Leben, Geschichte und Mythen von Hijras von Peer Bruch in der deutschsprachigen: Suedasien-Webseite

Das dritte Geschlecht - Indiens Eunuchen haben kultischen Status. Sie sind Bettler und Prostituierte und bringen Glück. Oder Pech.
von Christine Möllhoff im Tagesspiegelm von 2. Oktober 2006

Weibliche Seele, männlicher Leib - Hijras - das selbstbewusste «dritte Geschlecht».
von Renate Syed in der NZZ vom 22. Oktober 2002

Wikipedia Beitrag (dt.): Hijras
Filmtipp (auf Deutsch)
Filmbild aus Between the Lines - Indiens drittes Geschlecht, Regie: Thomas Wartmann, Indien/Deutschland 2005 Filmbild Between the Lines

Between the Lines - Indiens drittes Geschlecht
Dokumentarfilm von Thomas Wartmann, Indien/Deutschland 2005 (Kinostart Herbst 2006), 96 Min, Cast: Laxmi (Lakshmi), Rhamba, Asha, Anita Khemka.

Für seinen ersten Dokumentarfilm begibt sich der Regisseur nach Indien, um ein bewegtes Bild jener Aussenseiter der Gesellschaft zu zeichnen, deren Schicksal es ist, weder Frau noch Mann zu sein. BETWEEN THE LINES schildert anhand dreier Porträts den ungewohnten Alltag der Hijras in Bombay zwischen «Mystik, Spiritualität und Prostitution».
Diesen tollen Film sahen wir erstmals vor zwei Jahren im Pink Panorma Luzern.

Reinschauen: Trailer auf YouTube, mit Hijra Lakshmi (Laxmi)
Der Film ist als DVD für rund 15 Euro / 25 Franken in Handel erhältlich.
Filmkritik: bei Kino Zeit.
Eine kritische Würdigung: aus asiatischer Sicht (auf Deutsch).

Etwas verklärt: Hinduistischer Mythos der Hijras auf YouTube von Janice Raymond
Filmtipp (Video) (auf Englisch)
Filmbild aus Many People Many Desires, Indien 2004  Filmbild (©) Many People Many Desires

Many People Many Desires, India, 2004
Provokativer, witziger 45-minunten Film über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in der Indischen Gesellschaft.

Directed by: T Jayashree
Cinematography: Avijit Mukul Kishore
Editing: Jabeen Merchant
Audiography: Girja Shanker Vohra

Sangama - Campaigning for Sexuality Minority Rights in India, Campaigning for Repeal of Section 377 of the Indian Penal Code.
Sangama is an anti-sexist, anti-classist, democratic and transparent organisation. We believe in diversity.

A provocative portrait of young hijras, transsexuals, lesbians, kothis (effeminate gay/bisexual men) and double deckers (gay/bisexual men without rigid masculine or feminine roles) who struggle to strike a gentle balance between inhabiting a traditional Indian society while exploring their sexual and gender identities.

Cutting across class, gender, language and caste, the film tells the stories of persons living in the city of Bangalore. Through them it brings forth the debate on the basic right to one's sexual/gender expression, and it aims to mobilize debate and discussion and generate support from within and outside the sexual minority communities.


Forschen (auf Deutsch)
Ein differenziertes, aber dafür auch umfassendes Bild zeichnet Janina Geist in ihrer Magister-Arbeit an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Ludwig-Maximilians-Universität München: Queer in Indien Selbst- und Fremdkonstruktionen indischer Queers in Politik, Gesellschaft und Medien unter besonderer Berücksichtigung des Internets, Oktober 2008. Queer in Indien von Janina Geist (PDF, 140 Seiten, ca 1 MB). Ob allerdings mit dem Konzept der "Selbskonstruktionen indischer Queers" nicht ein Artefakt aus westlicher ethnographischer Sicht konstruiert wird, sei dahingestellt.



Menschenrechtssituation in Indien (noch unvollständig!)
Indienübersicht: Die Menschenrechte haben uns noch nicht erreicht.

Länderbericht: Amnesty International Deutschland: Länderbericht Indien.

Armut: Das Leben ist sehr hart und wir haben es nie selbst in der Hand
(von Anita Haldar, Neu Delhi, Indien)

Humsafar Protest March to condemn violence against Hijras, November 13, 2008 Bild: © Humsafar: Protestmarsch gegen Gewalt an Hijras, November 13, 2008

Transphobie: Massenvertreibung einer Transgender Gemeinschaft in Bangalore
Human Rights Watch kämpft gegen ‘Social Cleansing’ in Bangalore (vom 18 November 2008, Englisch). Der Report wurde, ebenso wie ein Protestschreiben an den indischen Premier Manmohan Singh, auch vom UNHCR publiziert.

Humsafar Protest March to condemn violence against Hijras, November 13, 2008

Ferner von 2004: Human Rights Violations against the Transgender Community (Englisch, PULC, ca 120 Seiten). PDF Study (2.4MB) und cover (230 kB).

Homophobie: Indiens langsamer Abstieg: In der über 5000-jährigen Geschichte Indiens beendete 1526 das Mughal-Reich die friedliche Koexistenz zwischen Hindus und Muslimen. Kein Wunder, dass auch Frauen misshandelt und Homosexuelle bestraft wurden. Mit der britischen Kolonialherrschaft wurde für sexuelle Abweichungen "lebenslänglich" eingeführt. Lesenswert ist der kurze Abriss von Amara Das Wilhelm: India's Slow Descent Into Homophobia aus ihrem 2006 erschienen Buch Tritiya-Prakriti: People of the Third Sex. Understanding Homosexuality, Transgender Identity and Intersex Conditions Through Hinduism, ISBN-13: 978-1-4134-3534-4. Link zu Buch

Diversität: Humsafar - indische MSM / TG Organisation.
Schwul? Transsexuell? - da spricht man in Indien lieber von MSM und TG. MSM: Männer, die Sex mit Männern haben. TG: Transgender. Die Stiftung Humsafar ist eine grosse LGBT-Organisation für sexuelle Diversität, geschlechtliche Vielfalt und AIDS-Aufklärung.


Isabell Zipfel, die Fotojournalistin
Hijras in Varanasi, Informationsveranstaltung zur Ausstellung von Isabell Zipfel Bild: Hijras, © Isabell Zipfel

Isabell Zipfel, geboren 1969, aufgewachsen in Rom, lebt in Berlin. Buchhändlerlehre, Arbeit als Übersetzerin und Gärtnerin und später studiert sie Literatur. 2004 bis 2007 folgt eine fotographische Ausbildung am Berliner Photocentrum am Wassertor.
Mit den 2007 entstandenen Bilder vom Alltag der Hijras trat Isabell Zipfel an LGBT-Organisationen und Amnesty-Sektionen heran. In der Folge publizierten etwa der LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschlands), die schwedische RFSL (Reichsverband für sexuelle Gleichstellung) und die Dänische Amnesty Sektion einige ihrer Bilder als "Fotostrecken" mit Begleittext.
LSVD, respekt 2008/01: Das Dritte Geschlecht (S. 20f, PDF, 120 kB)
Amnesty Danmark, 2008/03: Tavse stemmer i Indien (Stumme Stimmen in Indien, S. 22-25, PDF, 350 kB)
RFSL, komut 2008/07: Varanasis Hijras (S. 10pf, PDF, 90 kB)

Wir von Amnesty Schweiz versuchten es seit über einem Jahr mit einer Ausstellung, welche nun endlich zu stande kommt. Die Bilder werden hier im Café Zähringer in Zürich erstmals ausgestellt. Die ansprechende Schönheit der Bilder soll nicht über die Realität hinwegtäuschen: Die Ausstellung wird deshalb mit Informationen zu Menschenrechten in Indien ergänzt.

Ein neues Fotoprojekt (2008) von Isabell Zipfel betrifft männliche Sexarbeiter in Indien, eine unsichtbare Prostitution. Ein Dutzend Trouvaillen zeigt sie auf socialdocumentary: Hidden worlds - Male sex workers in India

Um die Exklusivität des Oevres zu wahren, wurden - auf ausdrückliches Begehren von Isabell Zipfel - die Bilder nach der Ausstellung vernichtet und von Entsorgung und Recycling Zürich im Fernheizwerk Hagenholz zu warmem Wasser für die Immigranten-Wohnsiedlungen in Zürich Nord verbrannt.